FuR_Feuer und Rauch

Seit einigen Jahren beschäftige ich mich in meinen Arbeiten mit dem Gefühl der Distanz zwischen Mensch und Natur.
Der Unfall im Atomkraftwerk in Japan (2011) hat auf beeindruckende Weise daran erinnert, dass durch den Menschen verursachte Umweltzerstörungen immer wieder und überall auf der Welt passieren. Seit diesem Ereignis kehre ich in meiner Arbeit als Künstlerin immer wieder zu diesem Thema zurück. Allerdings will ich nicht nur meine Gedanken dazu vertiefen, sondern auch überlegen, wie es weiter gehen kann. In meinem Verständnis passieren diese Ereignisse nicht zufällig. Wir haben ihnen die Türen geöffnet und sollten zusammen anfangen, darüber nachzudenken und zu reden.

Serie I „Feuer und Rauch“
Wenn ich mit meinen Händen ein Gefäß umfasse, dass warmes Essen enthält, dann spüre ich in meinen Händen diese Wärme. Und mir wird bewusst, dass es nicht meine Hände waren, die dieses Gefäß hergestellt haben.
Ton ist ein Material, dass durch eine chemische Reaktion in Feuer und Hitze ausgehärtet wird. Seit der Antike stellen Menschen mithilfe dieser Technik Gefäße her, ohne in die Natur einzugreifen. Doch irgendwann wurde diese Handlung von der Hand gelöst und es wurde üblich, Tongefäße in Massen von Maschinen produzieren zu lassen. Die meisten Menschen haben vergessen, wozu man Hände benutzen kann. Deshalb möchte ich in dieser Serie an das Gefühl der Bewegung und des Material erinnern, wenn man mithilfe der Hände ein Gefäß herstellt. Sie bietet eine Gelegenheit, wieder über die Ursprünge des Lebens und der Menschen nachzudenken und den Kontakt zur Natur ins Gedächtnis zu rufen.
In der Serie „Feuer und Rauch“ entstand aus dem Besuch einer Töfperin die Dokumentation, wie eine Schale aus einer Tonkugel geformt wird und wie sich Hände um den Ton bewegen.

Serie II „Ein neues Bollwerk“
Eigentlich sollten wir es bereits wissen. Ist es wirklich das, was wir brauchen? Aufgrund von „unvorhersehbaren Naturphänomenen“ haben wir das Meer zu etwas gemacht, in das wir nicht bedenkenlos hineinlaufen können. Wir müssen zögern. Und den Menschen der zukünftigen Generationen entreisen wir die Freiheit zu entscheiden, ob sie sich dem Schwanken der Welle hingeben oder nicht. Außerdem haben wir eine große Wand errichtet, um diese Tatsache zu verbergen.
Als die Menschen die Atomkraft entwickelten, wollten sie unabhängig von der Energie der Sonne sein. Die Ingenieure haben sich gedacht: „Wenn wir viele kleine Sonnen hier auf der Erde hätten, dann kontrollieren wir die Nachfrage an Energie, die für so viele Dinge im Leben benötigt wird, und dadurch können wir die Versorgung mit Lebensmitteln und die Stabilität der Wirtschaft gewährleisten.“ Wahrscheinlich dachten sie das wirklich. Und vor unseren Augen erstreckt sich das Meer, der Sandstrand, der Wald, die Luft und der Regen - aber diese wesentlichen Elemente, die unseren Geist festigen, sind uns verloren gegangen.
Der Strand liegt ca. 98km nördlich vom havarierten Atomkraftwerk Fukushima Daiichi. Ein neu errichteter Betondeich durchläuft den Strand, von dem man den Pazifik überblicken kann. Ist dieser Deich ein Bollwerk, um unsere Leben zu schützen? Oder es ist nur ein anspruchsloser Trick, damit wir das Meer vergessen? Die ursprüngliche Absicht eines Deiches ist, dass er die Welle eines Tsunamis aufhält, wenn es wieder zu einem kommen sollte. Aber dabei gibt Probleme :
- die natürliche Reinigungskraft des Sandstrandes wird geschwächt, die durch die natürliche Zirkulation von Ebbe und Flut oder Luftstorm entsteht;- wenn der Tsunami doch ins Binnenland fließen würde, würde es lange Zeit dauern, bis das Meerwasser wieder abfliesen kann;- das Baumaterial für den Deich ist Beton und dieser muss häufig gewartet werden; die Nachbesserungsarbeiten wären teuer und aufwendig; schon im Juli ist der Deich über 400 km lang und hat etwa eine Billion Yen gekostet.

Serie III „Ein Punkt zwischen zwei Formen des Seins“
Licht und Schatten. Schatten, der von Pflanzen fällt. Der Schatten ist zwar sichtbar, aber seine wahre Gestalt kann nicht im Bild fixiert werden.
Unter der Verwendung der Cyanotypie, einer alten Fototechnik, bei der natürliche Chemikalien auf Sonnenlicht reagieren, fixiere ich den Schatten und das Licht, das durch verschiedene Pflanzen fällt, auf dem Papier. Die Cyanotypie ist die ursprüngliche photographische Technik. Damit lies sich die Existenz eines Objektes unmittelbar fixieren. Außerdem konnte man versuchen ein Fotogramm einer Situation zu machen, die mit der Oberfläche der Objekte und dem Papier nicht zusammen hängte. Diese Technik verwendet das Licht der Sonne und scheint zu einer primitiveren Daseinsweise zurückzukehren. Aber zukünftig wird es für uns ein wichtiges Thema sein, die Energien der Sonne und der natürlichen Welt zu verstehen. Ein für alle Mal möchte ich das Phänomen verstehen, warum es an vereinzelten Stellen so schön sein kann, wenn man der Verbindung zwischen der Natur und uns folgt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass;
ein großer Teil unseres Lebens durch den Segen der Sonne entsteht. Auch Ton entsteht durch eine Reaktion auf die Sonne in der Natur. Wir brauchen keine kleinen Sonne auf der Erde, wie es Ingenieure von Atomkraftwerken einst formulierten. Sondern wir existierten in der Natur und sind Teil ihres einzigartigen Kreislaufs.


FuR_Feuer und Rauch
2016
41 Fotos und ein Objekt
Tintenstahldruck, Cyanotypie, Keramik
Verarbeitung in der Werkstätte der Hochschule
für Grafik und Buchkunst Leipzig
Model für Serie I : Marita Helbig, Keramikwerkstatt beton, Leipzig

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